Messer: Werkzeug, Waffe und Kulturgut

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Das Rad, so heißt es, sei die wichtigste Erfindung der menschlichen Zivilisation. Eine Aussage, der sich gerade in der modernen und vor allem technisierten Zeit nur wenig entgegensetzen lässt. Blickt man jedoch in die Anfänge der Menschheit vor mehr als 500.000 Jahren zurück, so war ein anderes Werkzeug sehr viel bedeutsamer: Ohne das Messer wäre das Sammeln von Pflanzen, der Schutz gegen Eindringlinge, das Jagen wilder Tiere oder das Behandeln von Krankheiten nicht möglich gewesen. Die Geschichte des Menschen ist also eng verbunden mit diesem an sich simpel wirkende Gegenstand, den wir im Alltag und im Beruf, im Hobby und daheim so häufig wie nur wenige andere Gebrauchsartikel nutzen.

Erste Anfänge in der Vorgeschichte

Das, was wir heute als Messer kennen, hat nur wenig mit jenen Werkzeugen gemein, die unsere ersten Vorfahren in der Altsteinzeit verwendet haben. Grob behauene Steine, die in den späteren Jahren dünner geschliffen wurden, kamen für die vielfältigen Aufgaben der Urmenschen in Betracht.

Aus Feuerstein, Schiefer und ähnlich formbaren natürlichen Materialien wurden Klingen, Pfeilspitzen oder sogar medizinische Werkzeuge hergestellt. Mit einfachen Hilfsmitteln und unter erheblichem Aufwand entstand somit ein Bedarfsgut, das zum Überleben notwendig war, das das Sammeln von Pflanzen und Früchten erleichterte oder das für das Töten und Ausweiden der Tiere eine wichtige Funktion übernahm. Ständeübergreifend war das Messer in Benutzung, sowohl Nomaden als auch sesshafte Völker schützten sich damit vor Feinden.

Aufgrund der geringen Qualität zerbrach dieses Hilfsmittel aber häufig schon nach kurzer Verwendung – insbesondere bei Operationen konnten zudem Bruchstücke und Splitter im menschlichen Körper zurückbleiben.

Die simple Perfektionierung in der Steinzeit

Die über viele Jahrtausende andauernde Entwicklung der Urvölker brachte aber auch einen handwerklichen Fortschritt mit sich, der die Mängel der verwendeten Materialien zu beheben versuchte. Für Faustkeile, Schabwerkzeuge, Messer und sogar Skalpelle wurden verschiedene Gesteine eingesetzt. Die Präzisierung der Arbeitsgeräte erfolgte auf hohem Niveau – und wirkt auch aus heutiger Sicht beeindruckend. Die seinerzeit hergestellte Schärfe mancher Klingen vereinfachte den Alltag erheblich. Auch, weil vermehrt bruchsichere Rohstoffe zum Einsatz kamen.

Doch die Abkehr vom Stein als hauptsächlich gebräuchliche Ressource ließ sich damit nicht vermeiden: In den Anfängen der menschlichen Zivilisation rückten auch Holz, Horn, natürliche Fasern sowie Ton- und Keramikwerkzeuge in den Fokus. Je nach Einsatzmöglichkeit wurden daher spezielle Nutzartikel, Pfeilspitzen, Waffen und Messer hergestellt, die nur noch wenig mit den zuvor gebräuchlichen Vielseitigkeitsklingen gemein hatten. Eine Fülle an Möglichkeiten eröffnete sich, die jedoch alsbald durch die Verwendung der Metalle beendet wurde.

Die Bronzezeit ebnete neue Wege

Vor etwa 5.000 Jahren reifte der Abbau natürlicher Ressourcen sogar derart weit, dass erstmals auch Metalle in großem Umfang genutzt werden konnten. Hierbei setzte sich vor allem das leicht zu verarbeitende Kupfer durch. Allerdings galt es als zu weich und konnte sich bei hohen Belastungen verbiegen – ein Manko, das bei der Jagd oder bei Operationen unerwünscht war. Das Mischen verschiedener Metalle, das Legieren einer Klinge sowie das Härten im Feuer ließen daher die Urform des noch heute bekannten Schmiedehandwerks entstehen.

Bronze wurden für diverse Alltagsgegenstände verwendet und erwarben sich insbesondere für die Messer einen guten Ruf. Denn die Materialien konnten nach mehrmaligem Gebrauch und der sich dadurch einstellende Abnutzung erneut geschärft werden. Die aus einem Stück gefertigte Klinge mit Griff ließ sich zudem mit Horn und Holz verzieren – auch als Kunstgegenstand und edle Auszeichnung für besondere Leistungen kam das Messer zum Einsatz.

Das Schmiedehandwerk der Eisenzeit

Obwohl sich in den antiken Kulturen Roms oder Griechenlands sowie in Damaskus und Japan bereits vor rund 3.000 kunstvoll verzierte und aufwendig hergestellte Messer, Schwerter und Gebrauchsartikel finden ließen, wirkte die Herstellung derselben noch nicht ausgereift. Denn einen weiteren Fortschritt brachte erst die anbrechende Eisenzeit, die die Nutzbarmachung der Metalle in einem bis dahin nicht gekannten Umfang ermöglichte.

Durch das Schmieden konnten verschiedene Rohstoffe miteinander verbunden und zu undurchdringlicher Härte verschmolzen werden. Aus der Fertigung der Klingen verschwanden die zuvor gebräuchlichen Materialien wie Horn oder Stein nahezu vollständig – alles, was eine gewisse Qualität, Schärfe und Haltbarkeit aufweisen sollte, wurde geschmiedet.

Das Handwerk überdauerte für die kommenden rund 2.000 Jahre und wurde erst im späten Mittelalter durch die dann einsetzende Technisierung abgelöst. Die Verarbeitung des Eisens nimmt somit für eine große Epoche der Menschheit einen ähnlich hohen Stellenwert ein wie das Rad: Ohne beide Fortschritte wäre eine Entwicklung der Zivilisation deutlich langsamer erfolgt.

Die erste Serienfertigung in der Antike

In den wenigen Jahrhunderten vor und nach Beginn der Zeitrechnung erfolgte aber auch im medizinischen Handwerk eine stete Verbesserung: Denn Messer wurden nun nicht mehr alleine zum Schutz gegen Feinde oder zum Töten von Tieren eingesetzt, sondern erwarben sich ebenso wichtige Dienste bei der Rettung von Menschenleben.

Obwohl Skalpelle bereits seit Jahrtausenden bekannt waren, wurden diese aus Metall in der Antike präziser gefertigt und konnten erstmals auch in größeren Mengen hergestellt werden. Dutzende oder sogar hunderte gleichartiger Artikel, die in Form und Güte nicht voneinander abwichen, erlaubten in allen gesellschaftlichen Bereichen eine Senkung der Kosten.

Das Messer erfuhr dadurch einen abermaligen Aufschwung, da es nun erst recht in allen Zivilisationen bekannt war und für vielfältige Aufgaben verwendet wurde. Gleichzeitig stieg die Lebensqualität: Amputationen konnten durchgeführt, komplexe Eingriffe mit den immer besser werdenden Klingen erfolgreich beendet werden.

Die Wichtigkeit des Messers im Mittelalter

Die Möglichkeit, Messer in vielfältigen Formen und Größen, für unterschiedliche Zwecke und aus verschiedenen Materialien in wachsenden Stückzahlen herzustellen, unterstützte auch im anbrechenden Mittelalter die Beliebtheit derselben. Man trug die Klinge bei nahezu allen Anlässen bei sich. Sowohl im Beruf als auch im Alltag reifte das Messer zu einem ganz persönlichen Gebrauchsartikel. Denn erstmals in der Geschichte der Menschheit wurde es als fester Bestandteil zur Nahrungsaufnahme angesehen.

Wie der Löffel und die Gabel, so wurde auch der geschmiedete und geschärfte Stahl zu jeder Zeit am Körper getragen. Zwischen den wohlhabenden Bürgern und dem allgemeinen Volk konnte sich die Qualität der Artikel natürlich erheblich voneinander unterscheiden. Demgegenüber entstanden neue Werkzeuge und Jagdwaffen. Viele Berufsstände entwickelten eigene Messer, um ihrer täglichen Arbeit möglichst genau und fehlerfrei nachzugehen. Alle gesellschaftlichen Schichten und alle arbeitenden Zünfte wurden somit durch die Verwendung des Messers vereint.

Einzelstücke und Massenfertigung in der Neuzeit

Auch heute ist das Messer aus keinem Haushalt mehr wegzudenken. Dabei nimmt es immer präzisere Formen an, kann für die Jagd und zum Fischen, im medizinischen Bereich, für diverse Berufe, in der Kosmetik, zum Essen und Tranchieren, für die Tätigkeit in der Küche und natürlich als vielseitiger Gebrauchsgegenstand zum Einsatz kommen. Die Härtung des Stahls und die Kombination optimal aufeinander abgestimmter Metalle erlauben eine zuvor nicht gekannte Qualität.

Die Serienherstellung erfolgt in tausendfacher Ausführung. Zugleich wächst insbesondere aber für Liebhaber und Sammler der Wunsch nach Einzelstücken, die etwa dem individuellen Geschmack oder den eigenen Körpermaßen angepasst werden und damit ideal in der Hand liegen. Der rostfreie Stahl überdauert nicht selten viele Jahrzehnte, in denen er bis auf die übliche Abnutzung nicht an Qualität verliert. Das uns heute ebenso bekannte wie beliebte Messer hat somit einen jahrtausendelangen Weg beschritten und sich mehrfach gewandelt – im Kern verfolgt es aber noch immer das gleiche Ziel wie bei unseren Vorfahren in der Steinzeit: Wie das Rad will es den Alltag und das Leben vereinfachen.

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